Archive for Oktober 2008

Alles leer verkauft, Spekulation verbieten!

Also, unser lieber Finanzminister Steinbrück macht den „längst überfälligen“ Schritt und will Leerverkäufe (short selling) verbieten, weil die ganz schrecklich sind und VW-Aktie daraum im Wert ziemlich gesprungen ist.

Das ist mal wieder eine großartige Idee, denn wenn short selling eines leistet, dann wohl, dass mehr Informationen im Markt landen.

Immer wenn Börsenblasen platzen, dann sind Leerverkäufer die ersten, die das Problem erkennen, und das schon immer: sei es bei Tulpenspekulationen in Holland im 17. Jahrhundert, Aktienbetrug der South Sea Company im 18. Jahrhundert oder eben bei den Skandalen von Enron oder WorldCom (und natürlich sind sie auch jetzt wieder dabei).

Wenn man verhindern will, dass solche Skandale frühzeitiger an die Öffentlichkeit kommen, dann los, weg mit den bösen Leerverkäufen. Resultat: die Spieler im Markt werden unehrlicher.

Add comment Oktober 29, 2008

Politik mal anders

John Stossel hat mal wieder eine schöne Dokumentation über das Wesen der Politik zusammengestellt. Was kann Politik alles tun und was passiert realistischerweise?

Add comment Oktober 21, 2008

Nochmal zur Finanzkrise

Ich hoffe, dass ist der letzte Beitrag zur Aufklärung über die Bankenkrise. Aber es ist immer noch nicht überall angekommen.

Arnold Kling, ehemaliger Freddie Mac Ökonom, erklärt den amerikanischen Hypothekenmarkt.

Anna Schwartz, die große Expertin der Great Depression, hat einiges Interessantes zu sagen. Zum gleichen Thema hat auch Jim Powell.

Add comment Oktober 20, 2008

Wer sind denn die Reichen?

Spiegel Online berichtet über den neuen Präsidentschaftskandidaten der Linken, Peter Sodann (der Artikel ist übrigens lesenswert, wenn man weitere Einblicke in sein Weltbild haben möchte):

Der Bundespräsident müsse „die Seele seines Volkes ausdrücken können“, sagte Sodann in dem Interview. „Er muss wissen, wie leben die Menschen denn in Wirklichkeit. Da gibt es zwei Gruppen. Die Armen verstehen die Reichen. Aber die Reichen verstehen nicht die Armen, weil sie es gar nicht können. Wenn man jeden Monat eine Million verdient, kann einem doch alles den Buckel runterrutschen. Da verliert man doch jedes Maß.“

Auch sonst wird viel über „die Reichen“ geredet und zwar schon in der Bibel (Aber dagegen weh euch Reichen! denn ihr habt euren Trost dahin. Euer Reichtum ist verfault, eure Kleider sind mottenfräßig geworden. (Matthäus.6,19)).

Jeder weiß, die Reichen sind maßlos und ausbeuterisch, bereichern sich unrechtmäßig usw. Dabei scheint jedem sofort klar zu sein, wer „die Reichen“ sind, nämlich so eine elitäre Gruppe, die seit der Geburt Honig um den Mund geschmiert bekommt und mit der Normalbevölkerung nichts zu tun hat.

Aber ist das wirklich so? Sind „die Reichen“ wirklich eine ganz andere Spezies von Menschen als „die Armen“? Könnte es nicht sein, dass es genau die gleichen Leute sind, die in unterschiedlichen Lebensabschnitten zu unterschiedlichen Gruppen gehören?

Thomas Sowell hat wieder mal die Fakten in Basic Economics zusammengeschrieben:

Although people in the top income brackets and thebottom income brackets — „the rich“ and „the poor,“ as they are often called — may be discussed as if they were different classes of people, often they are the very same people at different stages of their lives. An absolute majority of those Americans who were in the bottom 20 percent in income in 1975 were also in the top 20 percent at some point over the next 16 years. This is not surprising.

After 16 years, people usually have had 16 years more experience, perhaps including on-the-job training or formal education. Those in business or the professions have had 16 years in which to build up a clientele. It would be surprising if they were not able to earn more money as a result. It is not uncommon for most of the people in the top 5 percent of income-earners to be 45 years old and up.

None of this is unique to the United States. A study of eleven European countries found similar patterns.

Es ist also umgekehrt wie Herr Sodann vermutet: die Reichen verstehen die Armen besser, weil sie waren vermutlich selbst einmal arm. Sogar in Deutschland, mit seinem überregulierten Arbeitsmarkt, der Aufstieg erschwert …

Links: Income Mobility und By Our Own Bootstraps.

Add comment Oktober 16, 2008

Ein Hoch auf den Antikapitalismus

So eine Finanzkrise ist wirklich etwas großartiges, wenigstens für alle, die es immer schon gewusst haben, dass ohne Staat gar nichts geht und dass die Idee, dass Leute Wohlstand schaffen und nicht Regierungen, schon immer Blödsinn war. Jetzt schreiben sie die ganze Zeit in irgendwelchen Zeitungen Artikel und Kommentare, die eigentlich nur Tatsachen und Anspielungen vertauschen und Zusammenhänge vortäuschen, wo nie welche waren.

Ein ganz bemerkenswertes Stück (namens Sehnsucht nach dem starken Staat — Was die Not lehrt) hat Heribert Prantl in der SZ abgeliefert und ich werde jetzt etwas tun, was unhöflich ist (weil es ist, wie auf tote Tiere einzutreten), aber trotzdem riesen Spaß macht: vorlesen.

Bis vor kurzem gab es Leute, die einen höchst merkwürdigen Traum träumten. Sie wollten den Staat ganz klein schrumpfen – so klein, dass sie ihn „ins Badezimmer schleppen und in der Badewanne ersäufen“ können. Diesen Traum vom staatsbefreiten Markt, es war ein amerikanischer Traum, erzählten sie feixend in den Talkshows und ließen anschließend schon einmal das Wasser einlaufen.

Von Leuten dieses Schlages, von Radikal-Neoliberalen und Radikal-Steuersenkern, hat sich US-Präsident George W. Bush beraten lassen. Der Präsident hatte auch deswegen ein Ohr für sie, weil eine entfesselte und mit Ramschkrediten gedopte Immobilien-Industrie die horrenden Kosten seiner Außenpolitik innenpolitisch erträglich machte.

Hier unterstellt Herr Prantl zwei Dinge:

Erstens, dass Bushs Politik neoliberal – ja sogar radikal neoliberal — gewesen sein soll. Das kann man natürlich immer behaupten, weil niemand so genau weiß, was „neoliberal“ eigentlich bedeuten soll. Mit einem „kleinen Staat“ hatte die Bush-Regierung aber nie viel zu tun: die Ausgaben für den Nichtmilitärbereich sind unter Bush um 27% gesteigen, es gab Einschnitte in den individuellen Freiheiten wie nie zuvor durch den „Patriot Act“ und der Militärhaushalt ist sowieso explodiert (Wachstum um 34%). Genau wie das Haushaltsdefizit. Was hat das bitteschon mit Neoliberalismus zu tun? Gut, er hat Steuern gesenkt, aber dafür Schulden aufgenommen … damit wird schlicht eine andere Gruppe an Leuten in der Zukunft mehr besteuert.

Zweitens, bedient er sich einem schrecklich einfachen Diskussionstrick, nämlich dem, dass ein Argument ausführlich begründet ist, wenn man in den Satz irgendwo ein „weil“ reinfummelt: der Mond ist aus Käse, weil 2+2=4. Der Präsident hat auf die neoliberalen Berater gehört, weil die Blase im Immobilienmarkt für ihn günstig war. Sehr clever, aber erstens hat Bush nicht auf seine neoliberalen Berater gehört und zweitens waren es nicht die Berater, die „Ramschkredite“ gefordert hätten; aber das ist einfach nicht richtig, die Fingerabdrücke der Demokraten kleben genau so an dieser Finanzkrise, wie die des Präsidenten. Vermutlich sind die Demokraten auch alles neoliberale Drecksäcke; aber interessant ist, dass Herr Prantl hier implizit ein Argument benutzt, das er versucht zu widerlegen, er sagt nämlich im Endeffekt, dass der Präsident und seine Berater die Kreditkrise verursacht haben. Das ist zwar nicht die ganze Geschichte, aber der Staat hatte in dieser Krise schon gut überall die Finger drin.

Nun ist der Wasserhahn abgedreht, das Badezimmer zugesperrt. In der globalen Finanzkrise träumen die einstigen Badewannen-Mörder und ihre vielen Gehilfen, die es auch in Europa gab, nicht mehr vom schrumpfenden, sondern vom wachsenden Staat, sie träumen von einem starken und hilfreichen Gemeinwesen, das sie und die maroden Banken in die Arme nimmt und ihren Bankrott abwendet. Aus der Staatsverspottung von gestern ist über Nacht eine neue Staatsvergötterung geworden. Selbst Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, macht sich zum Ministranten dieses neuen lieben Gottes, der doch bitte schnell seine guten Gaben ausschütten solle.

O mein Gott, selbst Josef Ackermann? Mir kommen die Tränen. Hier nutzt Herr Prantl wieder ein sehr einfaches Vorurteil für sich aus, nämlich die Idee, dass der „Neoliberalismus“ einer Pro-Business-Ideologie sei, der nur so Leute wie Josef Ackermann und der Rest der oberen 10000 anhängen würden, weil es nur ihnen nutzt. Und jetzt haben sogar die ihm abgeschworen, der Liberalismus ist tot! Schon die Grundannahme, dass Kapitalismus und Neoliberalismus eine Pro-Business-Ideologie sei, ist voll daneben. Thomas Sowell sagt es hervorragend in Basic Economics:

Those who favor government intervention in the economy often depict those who prefer free competition as pro-business apologists. This has been profoundly wrong for at least two centuries. Adam Smith, the eighteenth century father of free-market economics, was so scathingly critical of businessmen that it would be impossible to find a single favorable reference to them in his 900-page classic, The Wealth of Nations. Instead, Smith warned against „the clamor and sophistry of merchants and manufacturers.“ Any suggestions about laws and policies coming from such people, he said, ought to be „carefully examined, not only with the most scrupulous, but with the most suspicious attention.“ [...]

Free market competition has often been opposed by the business community, from Adam Smith’s time to our own. It was business interests which promoted the pervasive policies of government intervention known as „mercantilism“ in the centuries before Smith and others made the case for ending such interventions and establishing free markets. Then, after free market principles had gained wider acceptance in the nineteenth and twentieth centuries, business leaders were of course prepared to invoke those principles for political reasons, whenever it suited their particular purposes of the moment.

But business leaders and organizations have proven equally willing to seek government intervention to keep out foreign competition, bail out failing corporations and banks, and receive billions of dollars in agricultural subsidies, ostensibly for the sake of saving family farms, but in reality going disproportionately to large agricultural corporations.

Zurück zu Herrn Prantls Meisterwerk, er schreibt einige Zeit genau das, was Thomas Sowell auch sagt, nämlich, dass es passieren kann, dass die Bänker nach ihren Rettungsaktionen wieder zum „unregulierten Kapitalismus“ zurückkehren wollen würden. Klar wollen sie, sie wollen immer das, was ihnen gerade nützt. Aber warum stört ihn der Neoliberalismus viel mehr als der Neosozialismus, den wir gerade erleben? Das beantwortet Herr Prantl nicht. Weiter im Text:

Im alten Turbokapitalismus gab es tatsächlich eine Zeit, in der fast jeder jedem traute, weil man miteinander an die „unsichtbare Hand“ des Marktes glaubte, die alles zum Besten und zum Lukrativsten wenden würde.

Da frag ich mich natürlich, wann die alten Zeiten des Turbokapitalismus so gewesen sein sollen, schließlich war der Bankensektor doch imens reguliert. Ausserdem wäre es wahnsinnig interessant herauszufinden, was Vertrauen und das Prinzip der unsichtbaren Hand miteinander zu tun haben. Nicht besonders viel, eigentlich.

Die Not von heute lässt erst einmal den Glauben an den Staat, an die Gemeinschaft der Staaten und ihre Bündnisse und Organisationen wieder wachsen; der Staat und die Staaten werden wieder zum Vertrauensanker – weil sie es sind, die Regeln setzen, aussetzen, neu machen und hoffentlich auch durchsetzen können. Es ist dies kein irrationales Vertrauen. Der staatliche Anker ist ja nicht Fiktion, sondern vorhanden.

Nun, die staatlichen Regeln im Bankensektor waren aber anscheinend nicht so klasse. Ach so, das war nicht der Staat, das war der böse, freie Markt. Was der Staat und was der Markt macht, das erkennt man anscheinend nicht daran, wer die Regeln setzt, sondern ob man mit dem Resultat zufrieden ist. Das ist – wieder mal – tendentiöser Journalismus.

Und übrigens: der staatliche Anker ist eine komplette Fiktion. Das erkennt man leicht daran, wer den Staat überhaupt finanziert, nämlich wir alle zusammen, die Leute, die hier produktiv arbeiten. Wenn niemand produktiv ist, dann kann „der Staat“ so oft er will mit dem Anker herumwerfen, er mag.

Die Großstädte haben ihre Unternehmungen, darunter Straßenbahnen, Wasserversorgung und Kanalnetze, an Investoren ausgeliefert, von denen etliche zu den globalen Groß-Pleitiers der Finanzkrise zählen. Die Kommunen haben sich hier mit seltsamen Leasing-Verträgen einem Markt ausgeliefert, den sie nicht überblicken konnten und können. Dutzende Stadtkämmerer wissen daher nicht, was im Gefolge der Finanzkrise auf sie und ihre Bürger zukommt.

Jaja, genau. Der Staat kann zwar alles besser, aber wenn er nun plötzlich wieder ein Wassersystem aufrecht zu erhalten hat, dann geht es dem Bürger schlecht, ja? Oder wie? Ach so, es hätte nie entstaatlicht werden dürfen.Da liegt der Hase im Pfeffer?

Die Not lehrt die Politik nun, dem Staat wieder zu geben, was des Staates ist – und die ehemals städtischen Versorgungsbetriebe wieder der demokratischen Mitbestimmung zuzuführen. Die Entstaatlichung der Daseinsvorsorge war eine Gefahr für die Demokratie, weil niemand mehr mit seiner Stimme Einfluss darauf nehmen konnte, was dort passiert; das entschied im schlimmsten Fall eine Briefkastenfirma auf den Kaimaninseln. Das kann nicht länger so sein.

Das ist mal wieder ein Fall von Demokratiefundamentalismus. Wieso sollte denn „das Volk“ wissen, wie man am besten ein Wassersystem betreibt oder die Post? Ich weiß es zwar nicht, aber das ist ja bestimmt trotzdem total einfach, wie man an unserer staatlichen Post gesehen hat. Nur nochmal zur Rekapitulation: das beste Automobil, das ein Staat jemals gebaut hat, war der Trabbi. Wir können natürlich alle unsere Services auf ein Trabbi-Niveau absenken, eine kleine Elite, zu der Herr Prantl vermutlich gehört, kann dann immer noch gut leben, wenn alles von Regierungsbeamten (die wirklich das Volk vertreten …) kontrolliert wird. Wenn ein Dienstleister heute seinem Dienst nicht nachkommt — guess what? — dann wechselt man ihn. Aber das geht im schönen Staatswesen natürlich nicht, da bin ich ja demokratisch beteiligt. Klasse.

Es ist Zeit für die Abkehr von dem kapitalen Fehldenken, das zur Finanzkrise geführt hat.

Da die Finanzkrise aber im wesentlichen ein Resultat von falschen Regulierungen, schlechter Zentralbankpolitik und Quasiregierungsunternehmen wie Freddie Mac und Fannie Mae waren (gekoppelt mit dem dann typischen Phänomen der Blasenbildung)…? Nein, wer A sagt muß nicht B sagen, Herr Prantl, man kann sich auch die Ohren zuhalten und weiter vor sich hinbrabbeln.

Es gibt Symbolhandlungen, mit denen man das deutlich machen kann: Die Fernsehsender zum Beispiel könnten die elektronischen Laufbänder abschalten, die in Endlosschleife auf dem Bildschirm die Börsenkurse einblenden. Das Ende der Börsenticker wäre ein Zeichen für das Ende des Börsenticks.

Und das wäre großartig. Q.E.D.

Add comment Oktober 11, 2008

Anreizstrukturen für Anfänger

Laut einem Artikel der FTD beschäftigt sich Brüssel mit der „Anreizstruktur von Managergehältern“, damit Manager keine Entscheidungen mehr treffen, die langfristig der Firma schaden. Wunderbar, gut, dass sich wenigstens einer um die „langfristige, firmenweite Profitabilität“ Gedanken macht!

Besonders irritierend ist dieser Abschnitt:

Außerdem sollte sich das Managergehalt immer an der Leistung orientieren. Insbesondere sogenannte „goldene Fallschirme“ für scheidende Firmenchefs sollen eng an den Unternehmenserfolg gekoppelt werden. Hintergrund ist, dass regelmäßig erfolglose Firmenchefs mit Millionenabfindungen aus dem Amt gehen.

Das zu verbieten setzt aber unter Umständen genau die falschen Anreize, nämlich die, dass sich unfähige Manager nicht schnell, frühzeitig und freiwillig von ihren Firmen trennen, sondern sich bemühen noch länger am Ruder sitzen und weiterhin schlechte Entscheidungen treffen.

Also bitte, liebe EU-Bürokraten, verkauft euer Standardwunschprogramm doch nicht als „Anreize verbessern“.

Add comment Oktober 1, 2008


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