Fallende Geldmengen bei den NDS
April 1, 2010 at 9:15 am Hinterlasse einen Kommentar
Wolfgang Lieb macht sich etwas lustig über die Inflationsängste einiger Volkswirte, weil die Geldmenge ja fällt.
Und tatsächlich weiß die EZB zu berichten:
Das Wachstum der Geldmenge M3 ist gering, nach manchen Messungen sogar negativ.
Wenig erstaunlich an Liebs Artikel sind die Misscharakterisierungen des Monetarismus, insbesondere der Verweis, das M3 ja die relevante Geldmenge wäre. Das ist aber eher eine unübliche Messung. Milton Friedman hat persönlich hauptsächlich auf M2, manchmal auch auf M1 geschaut.
Der Punkt ist, daß M3 unter aktuellen Bedingungen recht wenig über Inflation aussagen kann. Lieb selbst bemerkt ja, daß Banken gerade wenig Geld verleihen und darum M3 nicht mit den darunterliegenden Aggregaten mitwächst. Zum Vergleich mit M3 wächst ja zB. M1 mit etwa 11%.
Die Ängste vor Inflation werden normalerweile damit gerechtfertigt, indem man ganz klassisch keynesianisch denkt. Löhne sind über die Zeit unflexibel und Geldpolitik hat “long and variable lags.” Irgendwann schlägt das Geld dann aber auf, siehe zB. den Oberkeynesianer Brad DeLong.
Andere — m.E. berechtigtere Ängste — werden damit begründet, daß an irgendeinem Punkt Leute keine in Euro- (oder Dollar-)Schulden mehr halten wollen und dann kriegt man per Fingerschnippen Geldentwertung und der Prozess läuft ab wie ein Börsencrash.
Prinzipiell verstehe ich ja das Ziel dieses Beitrags der Nachdenkseiten. Lieb möchte uns sagen, daß die Schuldenbremse falsch war und die aktuelle Regierung böse ist. Okay, schön. Aber wieso begründet er das mit einer Inflationstheorie, die wohl nicht mal ein Keynesianer halten will? Hier sieht man etwas NDS-Gründer Müller so gerne kritisiert: Meinungsmache mit falschen Argumenten.
Eintrag abgelegt unter Wirtschaft. Tags: Nachdenkseiten.
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