So verwirrt man mit Statistik
In zB. der FTD war zu lesen:
Die US-Wirtschaft schrumpfte im vierten Quartal um 3,8 Prozent. [...]
Nachdem die Wirtschaft bereits im dritten Quartal um auf das Jahr hochgerechnet 0,5 Prozent schrumpfte, ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal um 3,8 Prozent zurück.
Aha, auf das Jahr hochgerechnet! Das US-BIP ist also im Vergleich zum dritten Quartal um etwa 1% geschrumpft. Wenn man diese Schrumpfung auf das ganze Jahr hochrechnet, also mit vier multipliziert, dann bekommt man die etwa 4% von oben.
Im Zweifel immer die größte Zahl nehmen, das steigert den Unterhaltungswert und solche Feinheiten kann man auch hervorragend mit einem Wort irgendwo einschieben.
1 comment Januar 31, 2009
Zensur!
Die NachDenkSeiten probieren mal wieder ein Wort umzudefinieren. Heute: Zensur. Sie halten es sogar für die „Manipulation des Monats“. So tragisch ist es zwar nicht, aber die ständige Umdeutung von Begriffen ist ein großes Ärgernis.
Ist es Zensur, wenn Zeitungen meine Leserbriefe nicht abdrucken? Eben.
Add comment Januar 29, 2009
Steinbrück und die Steuerparadiese
So, alles wieder normal. Der Peer, der sich in der Finanzkrise ziemlich vernünftig verhalten hat, schimpft mal wieder auf die Steueroasen. Aus dem Artikel:
Laut OECD gibt es 38 Länder mit einem stark ausgeprägten Bankgeheimnis und niedrigen oder gar keinen Steuern.
Das ist echt furchtbar! Ein Bankgeheimnis?
Dabei haben doch „Steueroasen“ einige wichtige Aufgaben, sie ermöglichen es zB. Leuten in totalitären Staaten, ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen. Und weitergehend werden damit auch andere Rechtsstaaten zu einer vernünftigeren Fiskalpolitik bewegt. Kein Wunder, dass Frankreich und Deutschland an der Spitze der „Verbotsbewegung“ stehen.
Das Argument für Steuer-Protektorismus (und allgemeiner: Institutionen-Protektorismus) ist genau so gut, wie das Argument für Protektorismus in jedem anderen Bereich.
2 comments Januar 18, 2009
Hyperinflation
Simbabwe hat einen 100-Billionen-Geldschein herausgegeben. Spiegel-Online meint dazu:
Im Kampf gegen die Inflation druckt der südafrikanische Krisen-Staat jetzt einen 100-Billionen-Geldschein.
Das ist der ziemlich blödsinnigste Kommentar, den man dazu abgeben kann.
1 comment Januar 17, 2009
Sprücheklopfer: Oskar Lafontaine bekommt Kontra
Nur wenigen gelingt es, Oskar Lafontaine und seiner Kapitalismus-Kritik Paroli zu bieten. Wirtschaftspublizist Hans D. Barbier nimmt sich den Rabulisten vor – und enttarnt dessen krude Thesen.
Add comment Januar 11, 2009
Schwarz=Weiß!
Tja, mal wieder die NachDenkSeiten gelesen, dort wird gezeigt, wie die Schröder-Regierung die Finanzmärkte wahnsinnig dereguliert hat, indem sie ca. 20 Gesetze erlassen hat und die aktuelle Regierung 35 weitere Gesetze plant.
Wir lernen also: Regulierung=Deregulierung. Schwarz=Weiß. Orwell grüßt.
Add comment Januar 9, 2009
F*cked up
Bailout hier, Bailout da. Deutschland rettet Banken und teilverstaatlicht die Commerzbank, die USA retten auch Banken und Automobilkonzerne, jetzt frägt eine andere wichtige Industrie in den USA nach ihrem Rettungspaket. Voll porno!
1 comment Januar 8, 2009
NDS: Die neoliberale Ideologie und die Börsenkurse
Albrecht Müller von den Nachdenkseiten hat einen (für dortige Verhältnisse) recht differenzierten Artikel über den Kapitalmarkt und die Finanzkrise und deren Ursachen geschrieben.
Trotzdem sind viele Argumente sehr unplausibel.
Als erstes möchte ich die These angreifen, mit der „politischen Revolution in Deutschland 1982 wären die Börsenkurse befreit worden“. Die Argumentation funktioniert so: Bis ca. 1982 war der DAX-30 ziemlich flach, nach 1982 fängt er an, rasant zu steigen. Offensichtlich hat das etwas mit „Spekulation“ zu tun und offensichtlich ist dafür die Regierung Kohl verantwortlich.

Klingt soweit ja echt plausibel. Aber was haben andere Aktienkurse in der Zeit gemacht?
Andere Indikatoren machen alle so was ähnliches. Ja, Kohl, Graf Lambsdorff und Tietmeyer hatten es schon ziemlich raus. Die monokausale Erklärung von Herrn Müller ist also nicht sehr stichhaltig.
Dann kommt im Originalartikel ein furchtbar langer Rant darüber, wie die böse Propagandamaschine die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender dazu gezwungen hat, die Börsenkurse in der Tagesschau zu zeigen. Da sind zwar auch ein paar logische Fehlschlüsse drin (beispielsweise erst zu behaupten, dass Aktienspekulation immer ein Nullsummenspiel ist und danach festzustellen, dass es eine riesige volkswirtschaftliche Verschwendung war. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es aber ziemlich egal, ob das Geld bei A oder Bauf dem Konto liegt.), aber besonders interessant ist es nicht.
Im Punkt 4 seiner Argumentation legt Albrecht Müller dar, dass es tatsächlich auch an Börsen Kriminelle nicht und man sich als Krimineller geschickter anstellen kann, als Handtaschen zu klauen. Dabei stellt er sogar fest, dass es fast nie dir Börsenaufsicht ist, die die Verbrecher auffliegen läßt, sondern Marktteilnehmer. Lustigerweise betitelt Herr Müller diesen Punkt mit „Schneeballsystem“ und bezeichnet solche als Verbrechen. Und das in einem Blog, das staatliche Schneeballsysteme wie die Rente für toll befunden werden — aber da werden die Leute schließlich auch zum Mitspielen gezwungen.
Und der Rest des Kommentars handelt von berechtigter Kritik an den Rettungsschirmen, die dazu verleiten, dass noch fataler mit anderer Leute Geld umzugehen und kein Risiko mehr tragen zu müssen. Solche impliziten Regierungsgarantien haben durchaus mit dazu beigetragen, die Finanzkrise überhaupt erst mal zu starten (neben den vielen anderen Regierungsmaßnahmen).
Und dann kommt noch ein laaaanger Abschnitt über die Gleichheit, die wahnsinnig wichtig zu sein scheint. Eine lange Diskussion gibts bei EconTalk mit Bernstein und Epstein.
2 comments Januar 8, 2009
