NDS: Die neoliberale Ideologie und die Börsenkurse

Januar 8, 2009 at 8:27 pm 2 Kommentare

Albrecht Müller von den Nachdenkseiten hat einen (für dortige Verhältnisse) recht differenzierten Artikel über den Kapitalmarkt und die Finanzkrise und deren Ursachen geschrieben.

Trotzdem sind viele Argumente sehr unplausibel.

Als erstes möchte ich die These angreifen, mit der „politischen Revolution in Deutschland 1982 wären die Börsenkurse befreit worden“. Die Argumentation funktioniert so: Bis ca. 1982 war der DAX-30 ziemlich flach, nach 1982 fängt er an, rasant zu steigen. Offensichtlich hat das etwas mit „Spekulation“ zu tun und offensichtlich ist dafür die Regierung Kohl verantwortlich.

Klingt soweit ja echt plausibel. Aber was haben andere Aktienkurse in der Zeit gemacht?

dowAndere Indikatoren machen alle so was ähnliches. Ja, Kohl, Graf Lambsdorff und Tietmeyer hatten es schon ziemlich raus. Die monokausale Erklärung von Herrn Müller ist also nicht sehr stichhaltig.

Dann kommt im Originalartikel ein furchtbar langer Rant darüber, wie die böse Propagandamaschine die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender dazu gezwungen hat, die Börsenkurse in der Tagesschau zu zeigen. Da sind zwar auch ein paar logische Fehlschlüsse drin (beispielsweise erst zu behaupten, dass Aktienspekulation immer ein Nullsummenspiel ist und danach festzustellen, dass es eine riesige volkswirtschaftliche Verschwendung war. Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es aber ziemlich egal, ob das Geld bei A oder Bauf dem Konto liegt.), aber besonders interessant ist es nicht.

Im Punkt 4 seiner Argumentation legt Albrecht Müller dar, dass es tatsächlich auch an Börsen Kriminelle nicht und man sich als Krimineller geschickter anstellen kann, als Handtaschen zu klauen. Dabei stellt er sogar fest, dass es fast nie dir Börsenaufsicht ist, die die Verbrecher auffliegen läßt, sondern Marktteilnehmer. Lustigerweise betitelt Herr Müller diesen Punkt mit „Schneeballsystem“ und bezeichnet solche als Verbrechen. Und das in einem Blog, das staatliche Schneeballsysteme wie die Rente für toll befunden werden — aber da werden die Leute schließlich auch zum Mitspielen gezwungen.

Und der Rest des Kommentars handelt von berechtigter Kritik an den Rettungsschirmen, die dazu verleiten, dass noch fataler mit anderer Leute Geld umzugehen und kein Risiko mehr tragen zu müssen. Solche impliziten Regierungsgarantien haben durchaus mit dazu beigetragen, die Finanzkrise überhaupt erst mal zu starten (neben den vielen anderen Regierungsmaßnahmen).

Und dann kommt noch ein laaaanger Abschnitt über die Gleichheit, die wahnsinnig wichtig zu sein scheint. Eine lange Diskussion gibts bei EconTalk mit Bernstein und Epstein.

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Verboten – der etwas andere Jahresrückblick 2008 F*cked up

2 Kommentare Add your own

  • 1. ketzerisch  |  Januar 8, 2009 um 11:18 pm

    Wenn man sich den Verlauf der Aktienkurse anschaut, so sollte man sich immer für die y-Achse die logarithmische Darstellung wählen. Wegen der Inflation steigen die Aktienkurse nämlich auch ganz ohne Helmut exponentiell.

    Das gilt für den DAX im besonderen Maße, denn der DAX ist ein Performance-Index. Will sagen, wenn der nicht steigt, dann haben die Aktionäre auch nichts verdient. Dividenden senken nämlich zwar den Kurs der entsprechenden Aktie, nicht aber den DAX.

    Antwort
  • 2. ladenschluss  |  Januar 9, 2009 um 12:03 am

    Stimmt natürlich, aber dann kann Herr Müller niemanden damit erschrecken:

    Antwort

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