Die Empirie in der Orthodoxie …

Mai 22, 2010 at 11:13 am Hinterlasse einen Kommentar

Mark Schieritz fragt sich, warum „die Emirie“ so schwer mit „der Orthodoxie“ der Wirtschaftswissenschaften zu vereinbaren sei:

Wer sich schon immer gefragt hat, warum die Bundesbank vor Inflation warnt, obwohl die Preise seit Jahren kaum mehr steigen, warum das Institut der deutschen Wirtschaft zur Konsolidierung die Staatsausgaben kürzen will, obwohl der Staat kaum noch Steuern einnimmt, warum sich die Politik dagegen wehrt, höhere Löhne als eine Voraussetzung zur Ankurbelung der Binnennachfrage anzuerkennen, obwohl ganz offensichtlich ist, dass das Lohnwachstum hinter der Produktivität zurückbleibt, warum Vermögenssteuern schlecht sein sollen, obwohl die Ungleichheit dramatisch zunimmt – kurz: Wer sich fragt, warum die Orthodoxie so schwer mit der Empirie in Einklang zu bringen ist […]

Mal die Fragen beiseite, ob die aktuelle Orthodoxie der Wirtschaftswissenschaften nicht viel eher Keynesianismus ist, möchte ich eigentlich viel eher die Empirie angucken. Ich zitiere im wesentlichen einfach die Standardmaße.

Die Preissteigerungen:

Steueraufkommen (Diskussion):

SteuereinnahmenArbeitseinkommensquote (Diskussion):

Ungleichheit:

Also, mir scheint, daß Mark einigermaßen übertreibt. „Kaum mehr Steuern einnimmt, kaum mehr Preissteigerungen, Ungleichheit dramatisch zunimmt:“ das scheint mir ein sehr gefärbtes Bild der Realität zu sein. Er schreibt sogar explizit von „seit Jahren.“ Da mag die Anmerkung, daß aktuell Inflationsängste nicht das Hauptproblem sind, schon richtig sein. Wie es um langfristige Ausrichtung der Zentralbank geht, das ist eine andere Diskussion.

Abgesehen davon ist seine Kritik auch verwirrt: warum ist es unlogisch, über zukünftige Inflation zu warnen, wenn in der Vergangenheit wenig aufgetreten ist? Warum ist es unlogisch, Ausgabenkürzungen vorzuschlagen, wenn die Einnahmen wegbrechen? Warum ist es unlogisch, Lohnsenkungen zu fordern, um Preise wettbewerbsfähiger zu machen? Wieso sollten Vermögenssteuern strukturelle Einkommensungleichverteilungen aufhalten, wenn wachsende Ungleichheitsverteilungen ein Problem ist?

Selbst wenn man die ganzen Situationen für problematisch hält, was, wie oben gezeigt, durch die Fakten kaum belegt wird, sind auch die Lösungen zweifelhaft. So sind zB. die Umverteilungseffekte von Steuern viel kleiner, als sich das ZEIT-Blogger so vorstellen.

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